Selbst

Selbst ist ein uneinheitlich verwendeter Begriff. In der Persönlichkeits-System-Interaktions-Theorie von Prof. Dr. Julius Kuhl wird das Selbst als System beschrieben, das ganzheitlich, d.h. simultan und in einer immensen Ausdehnung, verfügbares Wissen aus dem autobiografischen Gedächtnis verfügbar macht und für die jeweilige Situation zahlreiche Handlungsoptionen, Bedeutungsalternativen und sinnvermittelnde Bezüge zu Bedürfnissen, Zielen und persönlichen Werten anbietet. Es handelt sich also um ein System, das einen Überblick über eine große Zahl von Lebenserfahrungen simultan zur Verfügung stellt, so dass die „selbst-bestimmte“ Handlungsbahnung eine große Zahl von Bedürfnissen, Gefühlen, Werten, Handlungsmöglichkeiten, antizipierten Folgen usw. berücksichtigt. Diese gleichzeitige Berücksichtigung vieler entscheidungsrelevanter Gesichtspunkte ist mit demanalytischen Bewusstsein nicht zu leisten, weil sich das menschliche Gehirn immer nur einzelne Dinge bewusst machen kann.

Der Theorie zufolge ist das Selbst Bestandteil des Extensionsgedächtnisses. Dies ist ein hochinferentes System, das besonders stark durch den rechten präfrontalen Cortex unterstützt wird. Es ist ein ganzheitliches Netzwerk impliziten Erfahrungswissens, repräsentiert eigene Interessen, Werte, Bedürfnisse durch implizite, assoziative Netzwerke und stellt damit den funktionalen Ort des Selbst dar. Durch seine parallele und ganzheitliche Verarbeitungsform wird die simultane Integration vieler Einzelaspekte und Randbedingungen ermöglicht, so dass kontextualisierte Selbsterfahrungen und ausgedehnte Netzwerke selbstrelevanter Erfahrungen abstrahiert gespeichert werden können. Die rechte Hemisphäre ist darüber hinaus stärker mit der Wahrnehmung und Kontrolle emotionaler Reaktionen und mit Körperempfindungen vernetzt, weshalb das Extensionsgedächtnis in der Lage ist, positive und negative Gefühle zu integrieren.

Literatur

  • Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit: Interaktion psychischer Systeme. Göttingen: Hogrefe
  • Kuhl, J. (2005a). Individuelle Unterschiede in der Selbststeuerung. In J. Heckhausen & H. Heckhausen (Hrsg.). Motivation und Handeln (3. Aufl., S. 303-329). Heidelberg: Springer
  • Kuhl, J. & Kaschel, R. (2004). Entfremdung als Krankheitsursache: Selbstregulation von Affekten und integrative Kompetenz. Psychologische Rundschau, 55, 61-71.
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