Zusammenfassung der Zeitschrift Organisationsberatung – Supervision – Coaching (OSC) Ausgabe 04/2013, Jg. 20

Die von Dr. Astrid Schreyögg herausgegebene Zeitschrift "Organisationsberatung – Supervision – Coaching" (OSC) (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden) hat in der Ausgabe 4/2013 den Themenschwerpunkt "Psychodynamische Perspektiven im Coaching und in der Organisationsberatung".

Rubrik

Hauptbeiträge

Florian Bauer: Vom Vier-Augen-Prinzip zum Zwei-Fronten-Krieg

Laut des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie scheitern 25 % der Unternehmensgründungen in den ersten 3 Jahren. Ein Drittel der teamgeführten Gründungen scheitern dabei nicht an klassischen betriebswirtschaftlichen Faktoren, sondern an Konflikten innerhalb der Führungsteams. Dieser Beitrag soll die Fragen nach Gründen und Verlaufsformen der unternehmensgefährdenden Teamkonflikte mithilfe des aus der Paartherapie adaptierten psychodynamischen Konzepts der Kollusionsbeziehung nach Jürg Willi beantworten. Dabei werden charakteristische Kollusionstypen anhand anonymisierter Fälle beschrieben sowie mögliche Wege aus diesen Konflikten skizziert.

Christoph Burkhardt: Bewusster Umgang mit Übertragungsphänomenen als Management Soft Skill

Der Autor stellt das psychologische Konzept der Übertragung und seine Relevanz für den Führungsalltag in Unternehmen dar: Vor allem in hierarchischen Arbeitsbeziehungen spielt die Übertragung ungelöster und verdrängter Konflikte von Mitarbeitern aus ihrer persönlichen Biographie eine Rolle. Auch Teamdynamiken werden von Übertragungsphänomenen beeinflusst. Es wird erläutert, wie diese auf Übertragung basierenden Konflikte eine kontraproduktive Dynamik entwickeln. An drei Fallbeispielen veranschaulicht der Autor diese Dynamik und kommt anschließend zu dem Schluss, dass das Wissen um und ein bewusster Umgang mit Übertragungsphänomenen als Soft Skill die Wirksamkeit von Managern und Führungskräften verbessern kann.

Astrid Schreyögg: Übertragung und Gegenübertragung im Coaching

In diesem Beitrag geht es um den Nutzen psychoanalytischer Konzepte im Coaching. Zunächst werden die klassischen Denkfiguren von Übertragung und Gegenübertragung dargestellt, sodann neuere Modifikationen der Konzepte. Den Abschluss bilden Beispiele für die Anwendung des Übertragungskonzeptes sowie des Ansatzes der Gegenübertragung im Coaching.

Thomas Giernalczyk, Dr. Mathias Lohmer & Carla Albrecht: Containment im Coaching

Das psychodynamische Konzept des „Containments“ beschreibt die zentrale Funktion des Coachs, emotionale Spannungen, ungelöste Konflikte und unbewusste Inszenierungen des Coachees aufzunehmen, innerlich zu halten, zu verstehen und schließlich zu einem geeigneten Zeitpunkt als Hypothese oder Anregung zurückzugeben. Der Coach leistet damit zunächst eine stellvertretende Arbeit des emotionalen Erlebens, die dem Coachee noch nicht möglich ist. Der Artikel entwickelt die zentralen Elemente eines Containment-Prozesses und beschreibt die Wirkungsweise anhand von zwei Fallbeispielen. Neben dieser interpersonellen Bedeutung des Containments werden auch die Grundsätze des „Struktur-Containments“ vorgestellt, bei dem es darum geht, dass Führungskräfte neben der passenden Haltung auch geeignete Strukturen zur Verfügung stellen, die eine produktive Verarbeitung emotionaler Prozesse erlauben.

Wolfram Kölling: Variationen über Narzissmus

In allen zwischenmenschlichen Beziehungen und somit auch in Therapie und Beratung geht es in der heutigen Zeit immer mehr um den Dialog. Eine Art der Störung des Dialogs von gleichwertigen Gesprächspartnern sind Beschämungen, die einerseits als solche oft nicht erkannt werden und gleichzeitig auch als Teil der Zeiterscheinung „Boomeritis“ im sozialen Bereich leider zunehmen. Schamauslösende kommunikative Muster können grundsätzlich als würdeverletzend angesehen werden. Um die Würde des Menschen mehr zu beachten und würdeverletzendes Verhalten möglichst zu vermeiden, ist wechselseitige Anerkennung erforderlich, und wir sollten in unserer „Kultur der scheinbaren Schamlosigkeit“ eine Kultur der Anerkennung fördern und selbst etwas dafür tun. Gerade für professionelle Helfer ist dabei die Entwicklung einer kommunikativen Ethik sehr unterstützend.

Marko Hochbein: Soziale Kompetenz – was ist das?

Die Fähigkeit zur sozial kompetenten Interaktion stellt in modernen Organisationen eine der wichtigsten Aufgaben jedes Einzelnen dar. Dieser Beitrag befasst sich mit dem Begriff „Soziale Kompetenz“; es wird der Frage nachgegangen, ob es ein einheitliches Verständnis zum Begriff „Soziale Kompetenz“ im deutschsprachigen Raum gibt. Dazu wurde die Landschaft der (wissenschaftlichen) Literatur untersucht, um herauszufinden, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Verständnis dieses Begriffes innerhalb und zwischen verschiedenen Disziplinen vorherrschen. In einer vergleichenden Darstellung werden diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten im wissenschaftlichen Diskurs aufgezeigt. Schließlich werden Überlegungen für die praktische Umsetzung in der Beratung von Organisationen verhandelt.

Nicole Scheibner & Julia Hapkemeyer: Innere Kündigung als Thema in der Organisationsentwicklung

Zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bestehen laut Theorie zum psychologischen Vertrag gegenseitige Erwartungen an die Arbeitsbeziehung. Werden aus Sicht des Arbeitnehmers die Erwartungen durch den Arbeitgeber nicht erfüllt, versucht er, Gerechtigkeit in der Beziehung wiederherzustellen. Gelingt dies nicht, führt der Bruch des psychologischen Vertrages zu innerer Kündigung, die durch vermindertes Engagement und Interesselosigkeit gekennzeichnet ist. Zentrale Einflussfaktoren der inneren Kündigung sind Führungsverhalten, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Sinnhaftigkeit der Arbeit. Organisationsentwicklung in Unternehmen sollte auf die Prävention innerer Kündigung fokussieren und dabei bei der Führungskultur und Führungskräfteentwicklung ansetzen.

Rubrik

Praxisberichte

Sabine Cürten: Burnout-Syndrom und Coaching

Überforderung am Arbeitsplatz ist als Burnout seit Jahren in aller Munde. Nun haben wissenschaftliche Erhebungen das Phänomen der Unterforderung publik gemacht und es mit dem Modewort „Boreout“ belegt. Beide Fehlbelastungen können bei chronischem Bestehen zu den gleichen ernst zu nehmenden gesundheitlichen Problemen führen, die bei besonders ernsten Fällen auch in der Freizeit anhalten. Coaching kann bei beiden Ursachen eine Möglichkeit sein, neue Wege finden.

Rubrik

Diskurs

Thomas Webers: Coaching‐Kompetenzen: Behauptungen und Kritik

Mit dem Begriff „Kompetenz“ wird heute gerne und vielfältig argumentiert, wenn auch oft unklar bleibt, welche Definition zugrunde gelegt wird. Der Autor bezieht die vier Evaluationsebenen nach Kirkpatrick, Evaluation of training, Training and Development Handbook (1976) auf die drei Dimensionen des Qualitätsmanagements, um durchgängig Kompetenzvermutungen zu beschreiben und kritisch zu beleuchten. Als Fazit erweist sich, dass Kompetenz erst in der Praxis – als Performanz, als tatsächlich erbrachte Leistung – erkannt wird.

Zur Zeitschrift

Organisationsentwicklung Supervision Coaching (OSC)

Weitere Informationen zur Zeitschrift OSC finden Sie unter www.osc-digital.de

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Die Herausgeberin:
Prof. Dr. Heidi Möller

Redaktion:
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