Zusammenfassung der Zeitschrift Organisationsberatung – Supervision – Coaching (OSC) Ausgabe 04/2011, Jg. 18

Die von Dr. Astrid Schreyögg herausgegebene Zeitschrift "Organisationsberatung – Supervision – Coaching" (OSC) (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden) hat in der Ausgabe 4/2011 den Themenschwerpunkt "Konzeptionelle Innovationen und Finessen im Coaching".

Rubrik

Hauptbeiträge

Clinton Enoch: Wissensvermittlung in Beratungsprozessen

In den Beratungswissenschaften wurden Prozesse der Wissensvermittlung in der Beratung bisher kaum beachtet. Ausgehend von einer ethnomethodologischen Forschungsperspektive und Gesprächsanalysen von beruflich orientierten Beratungsgesprächen wird eine wissensbasierte kritische Theorie der Wissensvermittlung entwickelt. Dazu wird aus bildungswissenschaftlicher Perspektive der Vermittlungsbegriff, der eng an den Wissensbegriff gekoppelt ist, analysiert und theoretisch neu bestimmt. Insbesondere die Diskussionen zur Wissensgesellschaft, zum Wissensmanagement sowie zur Kompetenz operieren mit einem instrumentellen Wissensbegriff. Aufgrund der empirischen Analyse werden vier Dimensionen der Wissensvermittlung in Beratungsprozessen mit je eigenen kommunikativen Strategien und Auffälligkeiten erschlossen.

Lukas von Guggenberg: Mit beiden Augen sieht man besser

Die vorliegende Arbeit zeigt nach einer Beschreibung der Besonderheiten und der Unterschiede von Fach- und Prozessberatung die Notwendigkeit einer Integration der beiden Beratungsansätze auf. Im Besonderen wird dabei auf die Erfolgsfaktoren eines integrierten Modells sowie auf den konkreten Mehrwert für den Kunden eingegangen. Mehrere Fallvignetten aus dem Beratungsalltag verdeutlichen, welche Bereicherung die Fachberatung durch die Prozessberatung und umgekehrt die Prozessberatung durch die Fachberatung erfahren kann. In dieser Arbeit geht es darum, die jeweiligen Stärken und Grenzen der beiden Ansätze aufzuzeigen und auf der Grundlage von praktischen Erfahrungen die Vorteile eines Sowohl-als-auch anstelle eines Entweder-oder zu betonen.

Michael Krohn: Dialogische Führung und Coaching in Netzwerkorganisationen

In der Wissensgesellschaft verlangen neue Organisationsformen nach lernorientierten Führungskonzepten. Einer dialogischen Führung, die den Geist der Arbeiten von David Bohm berücksichtigt, kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Der Beitrag analysiert die Potenziale eines solchen Ansatzes mit Blick auf die betrieblichen und persönlichen Interessen für die Entwicklung neuen Wissens in Netzwerkorganisationen. Die Beziehung zwischen Führungskraft und Coach rückt im Rahmen einer systemischen Prozessbegleitung in den Mittelpunkt dialogischer Führungskonzepte, die ein gemeinsames Wirklichkeitsverständnis in flachen Hierarchien ermöglichen.

Stephan Daniel Richter / Carsten Henkens / Sabine Ritt: Ethische Kompetenz

Der Begriff „Ethische Kompetenz“ wird nach Ansicht der Autoren in der Praxis oft unscharf verwendet. Im Rahmen einer qualitativen Studie an Führungskräften in Banken werden Definitionsansätze für ethische Kompetenz mit der Theorie des geplanten Verhaltens (Fishbein und Ajzen) in Beziehung gesetzt. Dadurch kann, unter Berücksichtigung des Konzepts der „moralischen Verpflichtung“ (Kurland), „ethische Kompetenz“ genauer differenziert werden. Die Faktoren verhaltensspezifische Einstellung, kontextbezogene subjektive Norm und wahrgenommene Verhaltenskontrolle werden als maßgeblich für das Verhalten in moralisch relevanten Situationen bestimmt. Es wird zudem aufgezeigt, welche Hypothesen sich für den Zusammenhang von ethischer Kompetenz und Arbeitszufriedenheit formulieren lassen.

Mirko Zwack / Audris Muraitis / Jochen Schweitzer-Rothers: Wozu keine Wertschätzung?

Warum ist das Gefühl, „nicht (genügend) wertgeschätzt zu werden“, nicht die Ausnahme, sondern die Regel in Organisationen, obwohl es sich doch alle anders wünschen? Auf Basis empirischer Ergebnisse geht der Artikel zunächst der Frage nach, woran (Nicht-)Wertschätzung in Organisationen erkennbar wird. Hieraus lassen sich bereits erste Interventionsideen für Führungskräfte und Mitarbeiter ableiten. Es folgt eine systemtheoretische Interpretation des kommunizierten Wertschätzungsdefizits, die den Nutzen dieses wahrscheinlich auch in Zukunft unlösbaren Problems offenbart. Der Artikel schließt mit weiteren Schlussfolgerungen für die Handhabung des Wertschätzungsthemas in Coaching und Beratung.

Heidi Möller / Silja Kotte: Die Zukunft der Coachingforschung

Der Artikel fasst den aktuellen Stand der Forschungsergebnisse zu Wirksamkeit (Outcome) und Wirkfaktoren (Prozess) von Coaching zusammen. Zur Einordnung der Ergebnisse wird Bezug genommen auf das „Strukturmodell der Coachingwirkungen“ von Greif (2008) sowie das Vier-Ebenen-Modell der Evaluation von Kirkpatrick (1994). Der aktuelle Forschungsstand wird kritisch bewertet, und es werden Herausforderungen für die zukünftige Forschung aufgezeigt. Es wird postuliert, dass Coachingforschung sowohl Anleihen aus der Psychotherapieforschung als auch aus der Trainings- und Weiterbildungsevaluation machen muss, um dem prozesshaften Charakter von Coaching und seiner Verankerung im organisationalen Kontext gerecht zu werden. Abschließend werden erfolgversprechende Forschungsszenarien wie die Kooperation von universitären Forschungsgruppen mit Coaching-Berufsverbänden und exemplarische Forschungszugänge beschrieben.

Jutta Müller / Dirk Bayas-Linke / Elmar Schwedhelm: Das Potenzial der Video-Interaktionsanalyse als Beratungskonzept von Gründungsteams

Gründungsberatung ist eine anspruchsvolle und mehrdimensionale Beratungsaufgabe, die neben formalen Abläufen und Regulierungen insbesondere auch die Zusammenarbeit und die Lernprozesse in Gruppen und Teams als Beobachtungsperspektive in die Beratung integrieren muss. Doch was passiert in der Interaktion dieser Gründerteams und was muss auf interaktionaler Ebene ausgehandelt und gelöst werden, um einen Erfolg der Unternehmungen wahrscheinlicher zu machen? Die Autoren stellen die Video-Interaktionsanalyse als potenziell relevantes Verfahren im Rahmen der Gründungsberatung dar, die als Grundlage für lernbezogene Workshops dient und den dynamischen Team-Lernprozess fokussiert unterstützt.

Rubrik

Diskurs

Astrid Schreyögg: Was begünstigt die berufliche Ungleichheit von Frauen und Männern in Deutschland?

Die deutsche Bevölkerung schrumpft dramatisch. Die Ursache lässt sich in der deutschen Familienpolitik verorten, die seit der Jahrhundertwende extrem traditionalistisch ist. Gut ausgebildete Frauen sind deshalb in einen „Gebärstreik“ eingetreten. Frankreich und Schweden dagegen mit ihren großzügigen Möglichkeiten der Kinderbetreuung, deretwegen viele Frauen berufstätig sein können, erfreuen sich dagegen einer ausgezeichneten Fertilitätsrate. Alles das wird in einem neuen Buch von Tanja Mühling und Johannes Schwarze ausführlich aufgerollt.

Zur Zeitschrift

Organisationsentwicklung Supervision Coaching (OSC)

Weitere Informationen zur Zeitschrift OSC finden Sie unter www.osc-digital.de

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Jährlich vier Hefte. Jahresabonnement 2017: 138,15 € (inkl. gesetzlicher Mwst., zzgl. Versandkosten). Mehrwertsteuer und Versandkosten sind abhängig vom Lieferland und werden angezeigt, sobald der Titel im Warenkorb liegt. Wenn eine elektronische Version zur Verfügung steht, schließt der Bezugspreis den Online Zugang über SpringerLink mit ein.

Die Herausgeberin:
Prof. Dr. Heidi Möller

Redaktion:
Dr. Christoph J. Schmidt-Lellek

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