Zusammenfassung der Zeitschrift Organisationsberatung – Supervision – Coaching (OSC) Ausgabe 02/2016, Jg. 23

Die von Dr. Astrid Schreyögg herausgegebene Zeitschrift "Organisationsberatung – Supervision – Coaching" (OSC) (Springer VS, Wiesbaden) hat in der Ausgabe 2/2016 den Themenschwerpunkt "Derailment von Führungskräften".

Rubrik

Hauptbeiträge

Rabea C. Haag & Heidi Möller: Internale und externale Entgleisungen: ein Derailmentmodell

Unter Derailment versteht man das scheinbar plötzliche und gravierende Scheitern einer bislang erfolgreichen Führungskraft. In diesem Artikel werden die bislang bekannten Risikofaktoren skizziert und Ergebnisse aus Interviews mit entgleisten Führungskräften vorgestellt. Aus den Erkenntnissen dieser Interviews wurde ein Verlaufsmodell eines Derailments entwickelt, welches zwei mögliche Verlaufsformen unterscheidet: Bei einem internalen Derailment „implodieren“ die jeweiligen Führungskräfte und erkranken z. B. an Depressionen oder einem Burnout; bei einem externalen Derailment hingegen „explodieren“ die Manager und richten in ihrem Umfeld gravierenden Schaden an. Zuletzt werden Präventionsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen aufgezeigt, wie Unternehmen das Phänomen der Entgleisung mithilfe der operationalisierten psychodynamischen Diagnostik (OPD) vermeiden können.

Thomas Kuhn & Jürgen Weibler: Management-Derailment und System-Derailment. Zum Konnex zweier Probleme

Die Diskussion über Management-Derailment (MD) boomt seit einigen Jahren. Wir wollen zu dieser Diskussion beitragen, indem wir MD im Zusammenhang mit jenem System-Derailment betrachten, das Gegenstand der Debatte über Wirtschafts- und Unternehmensethik ist. Diese Debatte wird dadurch befeuert, dass Unternehmen zur Steigerung ihrer Gewinne zusehends ethisch fragwürdige, aber auch gesetzeswidrige Handlungsweisen praktizieren. Eine solche gesellschaftlich unverantwortliche Unternehmensführung korrespondiert (a) mit einem Top-Management, das moralisch entgleist ist (bad management), und stets Gefahr läuft, auch ökonomisch zu entgleisen (mad management), und (b) mit einem mittleren/unteren Management, das infolge andauernden Leistungsdrucks seinerseits zu moralischem Derailment neigt und durch ein individuelles Derailment (sad management) bedroht ist.

Antonia Sureth, Sebastian Uedelhoven, Jens Nachtwei & Birgit Postler: Führungsstile – Evaluation einer Nebenaufgabe im Development Center

Im Rahmen eines Development Centers eines großen Industrieunternehmens wurde ein Fragebogen zur Beurteilung sechs verschiedener Führungsstile eingesetzt. Die Evaluation des Fragebogens zeigte, dass Reliabilität, Skalierbarkeit, Ökonomie, Nützlichkeit, Zumutbarkeit und Fairness gewährleistet sind. Eine exploratorische Faktorenanalyse wies auf faktorielle Validität hin. Inhaltliche Analysen verdeutlichten, dass der transformationale Führungsstil am positivsten und der autoritäre Führungsstil am negativsten beurteilt wurden. In Korrelationsanalysen konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der Einstellung gegenüber dem transformationalen Führungsstil und der im DC erhobenen Kompetenz Extraversion festgestellt werden.

Herbert Csef: Narzissmus und Derailment – wenn Führungskräfte entgleisen

In den Führungskonzepten stand lange Zeit die Personalentwicklung von Führungskräften im Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren kamen das Scheitern, die Entgleisungen oder das Managerversagen (Derailment) in die Diskussion. Als Ursachen für Derailment spielen die Persönlichkeit des Managers, die berufliche Anforderungssituation und die Arbeitsumgebung eine Rolle. Unter den Persönlichkeitsfaktoren ist der Zusammenhang von Narzissmus und Führung von Interesse. Duale Narzissmus-Konzepte sollen zum einen erklären, warum Narzissten für Führungspositionen besonders prädestiniert sind, zum anderen entlarven sie Narzissmus als gesteigertes Risiko für Managerversagen. Diese beiden Seiten des Narzissmus sind bedeutsam für die Praxis der Organisationsberatung, des Coachings und der Supervision, denn sie bieten effektive Konzepte zur Prävention von Derailment.

Horst Kraemer: Derailment als Stressfolge erkennen und bewältigen

Plötzliche Entgleisungen, das Scheitern, der (Karriere-) Bruch sind häufig Resultate langjährig verleugneter Stressfolgen. Derailment als Phänomen wird in diesem Artikel definiert und mit Fallbeispielen und dem darauf aufbauenden neurosystemischen Konzept veranschaulicht. Das Zusammenspiel von Neurowissenschaften, Stressforschung und Verhaltensimmunbiologie wird dabei erläutert. Die integrierte Betrachtung dieser drei Forschungsgebiete erklärt, wie der Ressourcenverlust abläuft. Fazit aus dem Coaching-Alltag: Erst wenn diese wissenschaftlich bewiesenen Fakten in das Führungsverständnis integriert werden, können auch die ebenfalls wissenschaftlich bewiesenen Methoden des Stressabbaus mit bifokaler Verknüpfung ganzkörperlich in Trainingskonzepte, Coaching, Therapie und Selbsthilfe integriert werden.

Bernd Völker & Peter Dahms: Psychologische Aspekte bei Geiselnahmen

Geiselnahmen im zivilen Leben erfolgen relativ selten, erzeugen aber häufig eine besondere mediale Aufmerksamkeit. Auch im Rahmen von friedenssichernden und friedenserhaltenden Einsätzen internationaler Unterstützungskontingente besteht die (geringe) Gefahr, dass Soldat/innen Opfer von Geiselnahmen werden. Jede Geiselnahme stellt für die Betroffenen eine physische und vor allem auch psychische Extremsituation dar. Die Vorbereitung auf derartige Situationen, die damit verbundene persönliche Verfügbarkeit deeskalierender Verhaltensweisen sowie die Beachtung bestimmter Verhaltensgrundsätze sind für das Überstehen und die Bewältigung von Geiselnahmen von besonderer Bedeutung.

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Praxisberichte

Michael Jelinek: Wie Prozess- und Fachperspektive zusammenführen? Ein Formatversuch

Schwierige Praxisprobleme sind oft ein untrennbares Konglomerat aus Fach- und Prozessfragen. Im Artikel werden die theoretischen Grundlagen und praktischen Erfahrungen mit einem Mischformat aus Fortbildung und Beratung reflektiert, das diesem Grunddilemma des professionellen Problemlösens gerecht zu werden versucht. Zwei Berater leiten die thematisch fokussierten offenen Veranstaltungen, von denen einer die Fachperspektive und der andere die Prozessperspektive einnimmt. Ein kreatives und sich wechselseitig anerkennendes Spannungsverhältnis in der Triade Falleinbringer – Prozessberater – Fachberater erweist sich dabei als entscheidend.

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Diskurs

Mark Staskiewicz: Zwischen Dank und Drohung: Supervision für Freiwillige im Flüchtlingsbereich. Gibt es eine neue Generation an Freiwilligen?

Der Artikel beschäftigt sich mit Erfahrungen aus Supervisionen mit Freiwilligen im Flüchtlingsbereich. Die Arbeit in diesem Feld hat ein paar Besonderheiten. Sie hält sich in einem weiten Spannungsfeld auf und kann von enormer Dankbarkeit für diese Tätigkeit bis zu Drohungen gegen die SupervisorInnen führen. Der Autor macht Ausführungen zu seiner These, dass wir es mit einer neuen Generation an Freiwilligen zu tun haben. Die Supervision hat seine Grenzen und die Organisationsberatung kann hier eine sehr brauchbare Unterstützung sein, die Freiwilligenarbeit optimal zu managen.

Zur Zeitschrift

Organisationsentwicklung Supervision Coaching (OSC)

Weitere Informationen zur Zeitschrift OSC finden Sie unter www.osc-digital.de

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Die Herausgeberin:
Prof. Dr. Heidi Möller

Redaktion:
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