Steuerung des Erfolges von Coaching durch Personalentwickler: Eine Erkundungsstudie auf Basis von 15 Experteninterviews. Saarbrücken: VDM.

Rezension von Till Mrongovius

Das Buch beschäftigt sich mit dem Blickwinkel der Personalentwicklung auf das Instrument Coaching, konkret damit, wie Personalentwickler zum Erfolg von Coaching im Unternehmen beitragen können. Die primäre Zielgruppe des Buchs sind Personalentwickler, aber die Autorin wendet sich laut Klappentext explizit auch an Coachs, die ja den Personalentwicklern bei der Gestaltung der Coaching-Prozesse gegenübersitzen, sowie an unternehmensinterne Coaching-Klienten.

Dies ist die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit. Daher ist der Sprachstil komplex und zum Teil sehr trocken, der Aufbau wissenschaftsmethodisch korrekt. Die Autorin bezieht sich - wie in einer solchen Arbeit zu erwarten - stark auf Aussagen anderer Autoren, um eigene Aussagen zu belegen.

Entsprechend gestaltet sich auch der Aufbau wissenschaftlich: Nach Zusammenfassung, verschiedenen Verzeichnissen, sowie einer Einleitung beginnt die Autorin mit der ausführlichen Bestimmung der verwendeten Begriffe: In den ersten fünf Kapiteln werden Coaching und Personalentwicklung definiert, die Anforderungen an den Personalentwickler und die Voraussetzungen für den Erfolg von Coaching zusammengestellt sowie dessen Evaluationsmöglichkeiten untersucht. Die Autorin tut dies in Form eines Überblicks über die gängige Literatur, so dass der Leser vor allem auf bekannte Meinungen und Aussagen trifft. Sowohl Coachs als auch Personalentwickler werden aber auch Neues finden.

Im zweiten Abschnitt wendet die Autorin zuerst ein Modell für Trainings-Evaluation auf Coaching an und schafft so einen Rahmen zur systematischen Evaluation von Coaching-Erfolg. Dann spezifiziert sie die zu untersuchenden Fragestellungen genauer und erklärt die verwendete Untersuchungsmethodik. Dazu formuliert sie zu jeder Frage diverse Hypothesen, die im letzten Teil des Buches wieder aufgegriffen werden. Dort bespricht sie anhand dieser Hypothesen die Ergebnisse der Studie, wie die befragten Personalentwickler den Erfolg von Coaching steuern. Abschließend werden die Ergebnisse diskutiert und ein tabellarischer Orientierungsleitfaden für Personalentwickler zusammengetragen. Das Buch schließt mit einer Methodenreflexion, einem Literaturverzeichnis und einem Anhang, in dem alle Ergebnisse und die Stichprobe detailliert beschrieben sind.

Das Buch ließt sich als direkte Veröffentlichung einer akademischen Arbeit nicht leicht. Das sprachliche Niveau ist hoch und die Eigenart, Quellenverweise direkt im Text statt in Fußnoten zu erwähnen, machen ein flüssiges Lesen noch schwerer. Die Autorin legt sehr ausführlich die Grundlagen, bevor der eigentliche Ergebnisteil im Wesentlichen in drei Kapiteln gegen Ende besprochen wird, wodurch gerade der Anfang für den informierten Leser etwas langatmig ist. Hinzu kommt, dass gerade die Ergebnisse der Umfrage sehr unübersichtlich dargestellt werden: im Fließtext den jeweiligen Hypothesen zugeordnet. Tabellarische Übersichten, ein leserfreundlicheres Format oder eine ausführliche Zusammenfassung am Anfang dieser Kernkapitel hätten geholfen, diesen für den Leser wesentlichen Kernpunkt des Buchs verständlicher zu präsentieren. Praktiker werden wahrscheinlich mit dem Stil wenig Geduld haben, zudem fehlen konkrete Umsetzungsvorschläge. Das Buch beschränkt sich - akademisch korrekt - weitgehend auf allgemein gehaltene Verbesserungsansätze. Zum Abschluss werden diese Vorschläge und die Kernaussagen aber noch einmal sehr nützlich konkret in einer Tabelle zusammengefasst.

Dabei ist der Inhalt für die beiden Zielgruppen potenziell sehr interessant: Coachs bekommen einen Einblick in Denk-, Argumentations-, und Umsetzungspraxis der Personalentwickler. Der
Coaching-Prozess wird aus Sicht und Interessenlage der Personalentwickler - normalerweise die Gegenüber des Coachs - unter die Lupe genommen und man hat als Leser Gelegenheit, durch die Brille des Verhandlungspartners gewissermaßen auf die eigene Rolle zu schauen. Personalentwickler hingegen können von den Ergebnissen noch die eine oder andere Anregung für den Umgang mit Coaching im eigenen Unternehmen mitnehmen. Um Coaching-Klienten die Beurteilung der Betreuungsqualität zu ermöglichen, scheint das Buch aufgrund der fehlenden klaren Aussagen und der akademischen Ausrichtung der Ergebnisse allerdings eher weniger geeignet.

Abschließend kann man zusammenfassen, dass die gewählte Form einer akademischen Arbeit die Freude und das Interesse an dem Buch schnell reduziert, denn es ist sehr sperrig zu lesen. Auch der Nutzen für die Zielgruppe ist - auch mit Blick auf den Kaufpreis - eher begrenzt: Wer konkrete Umsetzungsideen erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden, denn das Buch beschränkt sich bis auf die Tabelle auf allgemeine Ansätze. Somit befriedigt es eher das "akademische" Interesse des Lesers.

Till Mrongovius

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