Inspiriertes Coaching

Rezension von Jan-Christoph Horn

Der vorliegende Band versammelt rund um die Herausgeberin Antje Pfab neun Dozentinnen und Dozenten des Weiterbildungsstudiengangs „Professionelles Coaching und Supervision“ der Hochschule Fulda, einer der wenigen akademisch akkreditierten Studiengänge für Beratungspraxis. Ein weiterer Kontext ist die Verortung in der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching (DGSv), der als Fachverband der Brückenschlag zwischen Supervision und Coaching als zwei beraterischen Schwesterformaten ein Anliegen ist. Die Beiträge stehen dafür, indem erfahrene Supervisorinnen und Supervisoren über Coaching schreiben.

Zielrichtung des Bandes ist (1.) die Professionalisierung des Coachings durch konzeptionelle Vertiefungen und (2.) die Profilierung des Coachings als funktions- und aufgabenorientierte Beratung im Arbeitsmarkt. Der Brückenschlag gelingt, wenngleich man den Eindruck nicht los wird, dass inspiriertes Coaching angewandte Supervision ist.

Nach einer guten, kompakten Einführung in die Transformationsprozesse der heutigen Arbeitswelt – es gefällt, dass diese über die VUCA-Selbstbeschreibung hinausgehen – ist die Entscheidung des einführend-konzeptionellen Beitrags, die Begriffe Supervision und Coaching parallel zu verwenden , kritisch zu sehen. Die Parallelität hilft der Profilierung des Coachings nicht, weil professionelles Coaching dann nur in Abgrenzung zu dem, was Coaching nicht ist („…aus dem betriebswirtschaftlichen Diskurs oder dem der Organisationsberatung abzuleiten“ (S. 41)) aufscheint. Herauskommt dann ein sehr supervisorisches Coaching – was kein Makel ist, aber für den Beratungsmarkt zu wenig differenziert sein könnte. Die Verweise auf interaktionstheoretische Konzepte und das Verständnis des Coachs als sinnschaffendes Beziehungswesen im System  legen nicht mehr als eine interessante konzeptionelle Spur für den interessierten Leser.

Die weiteren Beiträge sind für sich stehende, gut lesbare Texte, die subkutan an dem vorgestellten Coaching-Konzept anschließen. In ihnen geht es um (1.) Improvisation im Coaching, (2.) Kreativität und Ästhetik als Gestaltmittel sowie (3.) Neugierde im Coaching, (4.) die Bedeutung des sozialen Raums und (5.) des Kontextes, (6.) medienvermitteltes Coaching, (7.) die Haltung und Achtsamkeit des Coachs, (8.) Wertekonflikte in der Arbeitswelt und (9.) interkulturelle Perspektiven im Coaching. Die Autorinnen und Autoren bieten profunde, reflektierte und praxisorientierte Impulse an. Hervorzuheben sind die Beiträge zur Gestaltarbeit im Coaching, zu medienvermitteltem Coaching und zu interkulturellen Perspektiven.

Fazit: Das Verdienst des Buches ist es, professionelles Coaching in einen reflexiven Rahmen zu stellen. Die Beiträge verlangsamen, vertiefen und laden zur eigenen Position ein.

Jan-Christoph Horn

kontaktno spam@jc-horn.de
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