Brief Coaching. Ein lösungsfokussierter Ansatz

Rezension von Björn Rohde-Liebenau

Die drei Autoren betreiben in London das Unternehmen BRIEF als Gemeinschaft von Coaches. Ihr Claim ist es, das Vermächtnis von Steve de Shazer gradlinig und konsequent weiterentwickelt zu haben. Das stellten sie 2012 mit „Brief Coaching. A Solution Focused Approach“ vor. Dieser Titel liegt mit „Brief Coaching. Ein Lösungsfokussierter Ansatz“ nun in einer hervorragenden deutschen Übersetzung vor.

Das Buch richtet sich also vor allem an diejenigen, die sich für einen lösungsorientierten – oder wie hier durchgehend verwendet – lösungsfokussierten Ansatz interessieren, aber noch nicht das Original gelesen haben. Wer das Original kennt, erhält zusätzlich eine engagierte Einführung im Vorwort der Verlegerin Katalin Hankovszky und als Bonus ein neues letztes Kapitel: das „raus geschobene.“ Entsprechend der Arbeitsweise von BRIEF kommt es ganz ohne Pointe aus – abgesehen von seiner Entstehungsgeschichte.

Das Buch ist in einem so flüssigen Gesprächsstil gehalten und enthält zudem so viele ausschnittweise Sitzungsmitschriften, dass Leser geneigt sein könnten, immer wieder an beliebiger Stelle einzusteigen. Dann entginge ihnen jedoch möglicherweise die Struktur, die das Buch auch als Trainingsunterlage geeignet erscheinen lässt. Tatsächlich führt der Band von der Vorklärung des Hintergrunds und der Geschichte des Ansatzes, des Anwendungsraums, dem Erstkontakt mit Kunden und der Auftragsklärung (Vereinbarung aushandeln), über spezifische Interventionen in einer Sitzung zu deren Ende und denkbaren Folgesitzungen.

In einem Sonderkapitel erläutern die Autoren, wie Brief Coaching – der lösungsfokussierte Ansatz sich für ein Coaching durch den Vorgesetzten aufdrängen kann, wenn denn Coach und Kunde die gleichen Ziele verfolgen und sich dem Mitarbeiter gegenüber nicht als Experten verstehen müssen. Als Konflikt-Coaching, für Teams und für den „anspruchsvollen“ Fall, dass das Unternehmen (und der Vorgesetzte) vom Mitarbeiter Verhaltensänderungen fordert, machen die Autoren Vorschläge für eine behutsame und ethisch vertretbare Anpassung der Methode. Zusammenfassungen, anschauliche Übungen und viele Seiten mit Gesprächsausschnitten sowie ein Sitzungstransskript bringen Lesern den lösungsfokussierten Ansatz praktisch nahe: nicht nur der Coach, auch der Kunde wechselt in die Sprache der Neugier.

Fazit: Ja, das Buch kann eine Trainingsunterlage für lösungsfokussiertes Coaching sein. Nämlich für Trainer oder Coaches mit Lernenden, die bereit sind, dem Verfahren der evidenzbasierten Selbstbeobachtung der Autoren zu folgen: was funktioniert eigentlich und was kann weg? Die Antworten hat der Kunde, und der Coach sollte möglichst keine Spuren hinterlassen. Nichts für heimliche Helden!

Björn Rohde-Liebenau

Ombudsmann, Mediator und Coach
RCCno spam@risk-communication.de

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