Coaching und Supervision: Psychodynamische Beratung von Führungskräften (Supervision im Dialog)

Rezension von Jan-Christoph Horn

Mehrere – in diesem Fall zwei – Autoren unterschiedlicher Fachrichtungen schreiben gemeinsam ein Buch – auf dieses interessante Unterfangen lässt sich die junge Reihe „Supervision im Dialog“ des Kohlhammer Verlags ein. Vorliegender Band bringt Coaching und Psychodynamik zusammen mit dem Ziel, Experten beider Fachrichtungen mit einem Blick über den Tellerrand zu bereichern: Coaches können psychodynamisches Hintergrundwissen einsetzen, Psychologen erhalten Einblick in die Professionalität und Einsatzgebiete von Coaching.

Thomas Kretschmar ist Coach und Wirtschaftswissenschaftler, Andreas Hamburger ist klinischer Psychologe. Umgekehrt gilt: Kretschmar ist auch Psychologe, Hamburger auch Supervisor. Das „Dialogische“ ist also beiden Autoren nicht fremd, trotz des im Buch formulierten Understatements der „Fremdheit“ des Anderen. Das wirkt sich für die Leser zum Vorteil aus, so ist z.B. der Schreibstil sehr fachsicher. Den Lesern des Coaching-Magazins ist Kretschmar auch bereits bekannt: In der Ausgabe 3/2016 veröffentlichte er einen Artikel über psychodynamisches Coaching. Das Buch greift die Inhalte in breiterer Form auf.

Der Band ist keine konzeptionelle Einführung in psychodynamisches Coaching, sondern tatsächlich ein interessiertes Gespräch beider Seiten miteinander. (Unter-)Kapitel, die eindeutig aus der Perspektive einer der beiden Disziplinen geschrieben sind, wechseln sich miteinander ab, dabei werden punktuell auch Schnittmengen gebildet. Das gilt besonders für Kapitel 1 („Historischer Überblick“) und 3 („State of the art“ zu Haltung, Setting und ethischer Perspektive). Andere Kapitel widmen sich ganz einer der beiden Disziplinen (Kapitel 4: „Unverzichtbares Hintergrundwissen“ der Psychodynamik, Kapitel 5: Stand der Supervisions- und Coaching-Forschung). Insgesamt ergibt sich eine Pendelbewegung, die das Lesen kurzweilig macht.

Dank des differenzierten und aussagekräftigen Inhaltsverzeichnisses lässt das Buch sich auch gezielt kompendiumartig nutzen, Querverweise im Text ermöglichen dies ebenso. Ein umfangreiches, gut sortiertes Literaturverzeichnis bietet Zugriff auf weitere, vertiefende Werke. Drei Fallbeispiele zum Abschluss helfen dabei, die vorausgegangenen, systematischen Kapitel lebendig auszuleuchten.

Der Dialog zwischen Coaching und Psychodynamik ist gut gelungen. Wie psychodynamisches Wissen im Coaching hilft, wird sehr greifbar. Dem Leser muss dabei bewusst sein: Es geht im Buch nicht um psychodynamisch orientiertes Führungskräfte-Coaching, verstanden als Coaching einer Person. Es geht vielmehr um psychodynamisch reflektierte Organisations-Supervision im Coaching mit einer Führungskraft. Dem widmet sich ausführlich das sehr gute Kapitel 2 („Das Unbewusste im Unternehmen“), das aber vielleicht besser auf die eher grundsätzlichen Kapitel 3 und 4 hätte folgen können.

Fazit: Ein gelungenes Konzept, ein gut lesbares Buch, kein Ersatz für intensive Auseinandersetzung, aber allemal ein Muntermacher. Der eigenen Professionalisierung als Coach sehr dienlich.

Jan-Christoph Horn

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