Neurolinguistisches Programmieren

Kommunikationsmodell, das von Richard Bandler und John Grinder in den 70er Jahren in den USA entwickelt wurde. Die Interventionsmethoden des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) wurden aus den Vorgehensweisen populärer Vertreter therapeutischer Ansätze entwickelt. Dazu wurde des Verhalten von Milton H. Erickson (Hypnotherapie), Virginia Satir (Familientherapie), Frederick S. Perls (Gestalttherapie) und Gregory Bateson (systemische Ansätze) von Bandler und Grinder analysiert. Ergebnis war das Kommunikationsmodell des NLP, das das erfolgreiche Verhalten der analysierten Therapeuten durch beobachtbare Muster verständlich und somit für andere Personen nachvollziehbar und nutzbar machen soll. NLP wird bis heute u.a. von Robert Dilts (USA) und Thies Stahl (Deutschland) weiterentwickelt. 

Selbstverständnis als „Methodenbündel/Werkzeugkasten“

NLP befasst sich im weitesten Sinn mit menschlicher Kommunikation. NLP kann als eine auf stetige Weiterentwicklung angelegte Methodensammlung angesehen werden. Anhänger dieser Sichtweise betrachten NLP als eine Vielzahl einzelner, von einander abgegrenzter Handlungsanweisungen (sogenannter NLP-Formate) für die Arbeit mit Menschen in Veränderungssituationen. Andere NLP Anwender sehen allerdings weniger die Methoden und die Formate im Vordergrund, sondern die konstruktivistische Sicht auf Kommunikation und die lösungsorientierte Herangehensweise des NLPs. NLP beansprucht nicht, wissenschaftlich begründet zu sein.

Seit Bandler und Grinder untersuchen NLP-Anwender die Verhaltensweisen von Persönlichkeiten (Therapeuten, Unternehmern, Künstlern, Wissenschaftlern), die auf ihrem Gebiet herausragende Leistungen zeigten, auf mögliche Muster und Gemeinsamkeiten. Sie beobachten, dass die untersuchten Personen tatsächlich sprachliche (verbale und nonverbale) Verhaltensmuster aufweisen, die sich ähneln.

Wie bei anderen psychologischen Ansätzen geht man auch im NLP davon aus, dass menschliches Verhalten (äußerlich wahrnehmbar) durch innere Prozesse ausgelöst und strukturiert wird. Innere Prozesse und äußere Wahrnehmungen stehen in einem gegenseitigen Zusammenhang.

Als Grundannahme dient dabei die Auffassung, dass der sprachliche oder gedachte sprachliche Ausdruck (sogenannter „innerer Dialog“), die bildlichen Gedanken oder auch das Körpergefühl eines Menschen das subjektive Wahrheitsempfinden einer Person bestimmen. Dieses Empfinden stellt nach Auffassung der NLP einen Ausdruck innerer Modelle dar, mit deren Hilfe ein Mensch gedankliche Abbilder seiner Umwelt entwirft (sogenannte innere Landkarten), um sich sozial zu orientieren. Sie bestimmen das Weltbild eines Menschen.

Ein fundamentales Instrument zu jedem nur denkbaren Arbeiten mit NLP sind zwei bewusst erlernbare Fähigkeiten, um zum Gegenüber Rapport („einen Draht“) herzustellen: Intuitives oder bewusstes Anpassen und Führen.

Pacing (Anpassen, Mitgehen) spiegelt den Kommunikationspartner und basiert auf der Annahme, dass sich Menschen, die sich gut verstehen, einander angleichen (unter anderem in Tonfall, Lautstärke, Sprechtempo, Körperhaltung, Distanz, Direktheit des Auftretens).

Leading (Führen) hingegen eröffnet neue körpersprachliche oder tonale Signale, um im Gespräch die Führung zu übernehmen. Dies muss nicht im selben Augenblick wie beim Gegenüber geschehen, sondern kann auch zeitversetzt ablaufen und sollte sich im Gespräch mit Pacing abwechseln. Priorität hat hierbei nicht die Manipulation des Gegenübers, sondern der bewusste emotionale Kontakt. 

Gegenpositionen

Fortschritte und Erkenntnisse der modernen psychologischen Grundlagenforschung und insbesondere der Neuropsychologie blieben bei der NLP historisch bedingt weitgehend unberücksichtigt. Die zugrundeliegenden Modelle und Konzepte sind allesamt qualitativ geisteswissenschaftlicher Natur und werden der hochkomplexen Realität nur teilweise gerecht. Die NLP kann derzeit nicht auf gesicherte naturwissenschaftliche Grundlagen zurückgreifen, da weite Teile der Neurowissenschaften bisher nur unzureichend erforscht sind.

Einige Kritiker aus dem Bereich der Psychologie sehen in NLP eine klassische Pseudowissenschaft, da zwar Elemente etablierter Theorien übernommen werden, die Lehre selbst jedoch auf scharfe Tests der Behauptungen verzichte. NLP erwecke so den Anschein der Wissenschaftlichkeit, ohne ihn einzulösen. NLP-Kritiker weisen ferner darauf hin, dass NLP im akademischen Betrieb praktisch keine Rolle spielt. Dadurch werde deutlich, dass es sich bei NLP im universitären Sinne nicht um eine ernstzunehmende psychologische/psychotherapeutische Schule handelt und NLP auch nicht der Kontrolle durch andere Wissenschaftler unterliegt. Dieser Argumentation kann entgegen gehalten werden, dass NLP zumindest punktuell im Rahmen einzelner Lehrveranstaltungen an einigen Fachhochschulen und Universitäten angeboten wird und insoweit auch Berücksichtigung im akademischen Lehrbetrieb findet.

Es existieren einige Studien zur Wirksamkeit von NLP bzw. Teilbereichen der NLP, mit eher uneinheitlichen Ergebnissen (vgl. Datenbank auf NLP.de). Kritiker bemängeln, dass die meisten dieser Studien den Minimalanforderungen an einen Wirksamkeitsnachweis nicht genügen. Kriterien, wie sie üblicherweise an Evaluationsstudien gestellt werden (Kontrolliertheit, Randomisierung, Manualisierung, ansatzweise Verblindung u.ä.), werden oft nicht erfüllt. Insgesamt gesehen steht der Nachweis der Wirksamkeit von NLP oder einzelner NLP-Methoden (soweit diese nicht einfach aus anderen Verfahren übernommen wurden) daher aus.

NLP-Praktiker wenden ein, dass NLP keine neue wissenschaftliche Theorie begründe, sondern eher eine Sammlung heuristischer Verfahren effektiver Kommunikation sei. Dennoch müssten, so die Kritiker, aus wissenschaftlicher Sicht auch Aussagen der NLP bestätigt oder widerlegt werden können, wie etwa im Fall der „Augenbewegungshypothese“. Dort konnten die vom NLP postulierten Zusammenhänge nicht nachgewiesen werden.

Kritiker der NLP weisen nicht zuletzt darauf hin, dass zahlreiche Anbieter NLP mit esoterischen Lehren kombinieren, was zu einer Vermischung mit offensichtlich pseudowissenschaftlichen Lehren führe. Für den Ratsuchenden sei es kaum möglich, zwischen NLP-Techniken und esoterischen Elementen zu unterscheiden, da die Grenzen fließend seien. 

Theoretische und historische Hintergründe des NLP

Walker, Wolfgang: Abenteuer Kommunikation - Bateson, Perls, Satir, Erickson und die Anfänge des Neurolinguistischen Programmierens. Stuttgart: Klett-Cotta, 1996. ISBN 3-608-91976-7

Literatur

  • Andreas, Steve und Connirae: Mit Herz und Verstand. Paderborn: Junfermann, 4. Aufl. 2004. ISBN 3-87387-065-7)
  • Andreas, Steve und Faulkner, Charles: Praxiskurs NLP. Paderborn: Junfermann, 6. Aufl. 2006. (ISBN 3-87387-335-4)
  • Bachmann, Winfried: NLP - Wie geht denn das? Paderborn: Junfermann, 5. Auflage, 2002.(ISBN 978-3-87387-141-0)
  • Bandler, Richard: Bitte verändern Sie sich … jetzt! Transkripte meisterhafter NLP-Sitzungen. Paderborn: Junfermann, 4. Auflage, 2003.(ISBN 978-3-87387-020-8)
  • Bandler, Richard: Die Schatztruhe. NLP im Verkauf. Paderborn: Junfermann, 3. Auflage, 2004.(ISBN 978-3-87387-127-4)
  • Bandler, Richard & Grinder, John: Die Struktur der Magie: Metasprache und Psychotherapie: Bd I, Paderborn: Junfermann, 11. Auflage, 2005.(ISBN 3-87387-186-6)
  • Bandler, Richard & Grinder, John: Struktur der Magie: Kommunikation und Veränderung: Bd II, Paderborn: Junfermann, 8. Auflage, 2003.(ISBN 3-87387-187-4)
  • Bandler, Richard & Grinder, John: Neue Wege der Kurzzeit-Therapie: Neurolinguistische Programme. Paderborn: Junfermann, 13. Auflage, 2002.(ISBN 3-87387-193-9)
  • Blickhan, Claus und Daniela: Denken, Fühlen, Leben. Vom bewussten Wahrnehmen zum kreativen Handeln mit NLP. mvg-Verlag Landsberg, 6. Auflage, 2001 (ISBN 3-478086-88-4)
  • Boerdlein, Christoph: Gefärbtes Wasser in neuen Schläuchen - Das „Neurolinguistische Programmieren (NLP). In: Skeptiker, Heft 3, S. 99 - 104.2002
  • Boerdlein, Christoph: Das „Neurolinguistische Programmieren“ (NLP) - Hochwirksame Techniken oder haltlose Behauptungen? In: Schulheft, 103, 117-129.2001
  • Dilts, Robert: Die Magie der Sprache. Paderborn: Junfermann, 2. Auflage, 2005.(ISBN 978-3-87387-445-9)
  • Dilts, Robert: Die Veränderung von Glaubenssystemen. Paderborn: Junfermann, 4. Auflage, 2006.(ISBN 978-3-87387-068-0)
  • Dilts, Robert: Strukturen subjektiver Erfahrung. Ihre Erforschung und Veränderung durch NLP. Paderborn: Junfermann, 5. Aufl. 1994. (ISBN 3-87387-229-3)
  • Mohl, Alexa: Der große Zauberlehrling. Paderborn: Junfermann, 2. Auflage, 2008.(ISBN 978-3-87387-615-6)
  • Mohl, Alexa: Das Metaphern-Lernbuch. Paderborn: Junfermann, 4. Auflage, 2007.(ISBN 978-3-87387-349-0)
  • Mohl, Alexa: Die Wirklichkeit des NLP. Paderborn: Junfermann, 2000.(ISBN 978-3-87387-422-0)
  • O'Connor,Joseph und Seymour, John: Neurolinguistisches Programmieren. Gelungene Kommunikation und persönliche Entfaltung. VAK: Freiburg im Breisgau, 2. Aufl. 1992. (ISBN 3-924077-66-5)
  • O'Connor, Joseph: NLP - das WorkBook. VAK: Freiburg im Breisgau, 2005. (ISBN 3-935767-57-9)
  • Schmidt-Tanger, Martina, Tomas, Jens und Tschepp, Christian: MILTON! Sprachliche Brillanz für professionelle Kommunikatoren. Paderborn: Junfermann, 2005.(ISBN 978-3-87387-589-0)
  • Schmidt-Tanger, Martina und Kreische, Jörn: NLP-Modelle - Fluff & Facts. VAK-Verlag, 4. Aufl. 2005 (ISBN 3-92407-797-5)
  • Shervington, Martin: Denk nicht an Orangen mit lila Punkten. Paderborn: Junfermann, 2. Auflage, 2005.(ISBN 978-3-87387-478-7)
  • Trageser, Waltraud und v. Münchhausen, Marco: Die NLP-Kartei. Paderborn: Junfermann, 2005.(ISBN 978-3-87387-452-7

Weblinks

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