Emotionsregulation

Mit dem Begriff Emotionsregulation (oder Affektregulation) werden alle Prozesse bezeichnet, die der mentalen Verarbeitung emotionaler Zustände dienen. Emotionen sind bewertende mentale Reaktionen auf die Situationskontexte, in denen ein Individuum sich befindet. Wie aus dem Alltagsleben bekannt, regulieren Menschen ihre Emotionen unterschiedlich (z.B. aufgrund variierender Persönlichkeitseigenschaften wie Temperament, Introversion/ Extraversion etc.). Auch andere, z.B. unterstützende Personen wie Eltern oder Partner, können in die Regulation von Emotionen einbezogen sein (beispielsweise durch tröstendes Verhalten; provozierendes oder abweisendes Verhalten erschwert die mentale Regulation von Emotionen).

Mechanismen der Emotionsregulation sind beispielsweise die Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Verleugnung oder Projektion, die von Sigmund Freud beschrieben und später von seiner Tochter Anna Freud (1936) differenziert wurden. Diese Mechanismen richten sich gegen unangenehme Gefühlszustände, die durch mentale Konflikte zwischen unterschiedlichen inneren Motiven ausgelöst werden (wie z.B. Wünsche bzw. "Triebregungen" einerseits und Bewertungen der Vernunft oder des Gewissens andererseits).

Man kann unterscheiden zwischen auslöserbezogener Regulation (etwa durch Neu- oder Umbewertung) und reaktionsbezogener Regulation (zum Beispiel durch Unterdrückung des Handlungsimpulses).

Moderne Forschungsansätze untersuchen Emotionsregulation auch mit neurowissenschaftlichen Methoden. Sie greifen die Vorstellung mentaler Konflikte und deren Bewältigung u.a. durch Abwehrmechanismen auf, untersuchen aber z.B. auch die Unterdrückung, also das Nichtzeigen oder -ausdrücken von Emotionen (Gross & Levenson, 1993). Dem wird die integrative Form der Emotionsbewältigung gegenübergestellt, bei der Emotionen zugelassen werden, indem das zur Emotion führende Erlebnis bewertet und die Angemessenheit bzw. "Berechtigung" der Emotion auf Grundlage bisheriger Erfahrungen und möglicher Folgen abgeschätzt wird (Gross & John, 2002; Kuhl, 2001).

Prozesse der Emotionsregulation können der jeweiligen Person bewusst sein, aber auch unbewusst stattfinden. Menschen mit einer Tendenz zu integrativer Emotionsregulation haben in der Regel ein höheres Wohlbefinden und eine bessere psychische Gesundheit als solche mit verdrängendem bzw. unterdrückenden Stil oder nur schwach ausgeprägten kognitiven Einflüssen auf die Emotionsregulation.

In der PSI-Theorie von Julius Kuhl (Kuhl, 2001; Kuhl & Quirin, im Druck) spielt neben der Herabregulation negativer Emotionen auch die Fähigkeit zur Heraufregulation positiver Emotion ("Freude") eine wesentliche Rolle, sowohl für die Erleichterung der Umsetzung schwieriger Absichten als auch für das Wohlbefinden einer Person.

Literatur

  • Fonagy, Peter u.a., Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst, Klett-Cotta, 2004 [1]
  • Freud, Anna (1936/1964). Das Ich und seine Abwehrmechanismen. München: Kindler.
  • Freud, Sigmund (1915/1946). Die Verdrängung. Gesammelte Werke, Bd. X, London.
  • Gross, J. J., & John, O. P. (2002). Wise emotion regulation. In L. F. Barrett & P. Salovey (Eds.), The wisdom in feeling: Psychological processes in emotional intelligence. (pp. 297-319). New York, NY, US: Guilford Press.
  • Gross, J. J., & Levenson, R. W. (1993). Emotional suppression: Physiology, self-report, and expressive behavior. Journal of Personality & Social Psychology, 64(6), 970-986.
  • Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme [Motivation and personality: Interactions of mental systems]. Göttingen: Hogrefe.
  • Kuhl, J., & Quirin, M. (im Druck). Die Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen. In Handbuch der Allgemeinen Psychologie: Motivation und Emotion. Göttingen: Hogrefe.
  • Ochsner, K.N., Gross, J.J., Thinking makes it so: a social cognitive neuroscience approach to emotion regulation, in: Vohs / Baumeister, The handbook of self-regulation, 2004

 

Quelle

[2] Emotionsregulation in der Wikipedia] 

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