Strukturqualität

Die Strukturqualität umfasst die Ausstattung (personell, materiell, räumlich) des Coachings und ist dabei unterteilt auf den Coach, den Klienten, ihre Beziehung zueinander und die Rolle des Unternehmens des Klienten. Grundfrage für diese Qualitätsdimension ist: Was wird für das Coaching benötigt?

a) Personelle Strukturqualität (Coach)

  • Fachliche Qualifikation (wirtschaftliches/psychologisches Wissen; Coaching-Erfahrung/Spezialisierung; Betriebs-, Führungserfahrung; Feldkompetenzen; philosophische Kenntnisse)
  • Methodenkompetenz (Methodenvielfalt; Transparenz und Erklärbarkeit der Methoden; Handlungskonzept; diagnostische Kompetenz; Fähigkeit, Organisationsmuster zu erkennen; Kommunikationsfähigkeiten; Selbstreflexion; kognitive Fähigkeiten)
  • Beziehungsgestaltungskompetenzen
  • Persönliche Qualifikationen
  • Supervision, Intervision
  • Fortbildung
  • Ausbildungsweg (Studium – Beraterausbildung – Feldkompetenzen)
  • Professionsgemeinschaft/Kooperation
  • Referenzen
  • Praxis

b) Klient

  • Freiwilligkeit
  • Veränderungsbereitschaft
  • Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit und zeitlichem Aufwand
  • Selbstregulationsfähigkeit/Wohlbefinden
  • Problembewusstsein
  • Bereitschaft, Emotionen zuzulassen
  • Verantwortungsübernahme

c) Beziehung

  • Passung (persönliche, berufliche)
  • Vertrauen
  • Akzeptanz
  • Sympathie
  • Solitär-Beziehung
  • Offenheit
  • Gleichwertigkeit
  • Ehrlichkeit

d) Unternehmen

  • Transfermöglichkeiten
  • Bereitschaft zur Auseinandersetzung (keine Funktionalisierung)
  • Ziel verhandeln (keine Zielvorgaben)
  • Passung zwischen Coach und Unternehmen (keine Diskrepanz)

Die Kriterien der Strukturqualität können im Coaching-Prozess berücksichtigt werden, indem vom (potenziellen) Klienten (oder seinem Unternehmen) eine Checkliste erstellt wird, um die genannten Kriterien der Strukturqualität eines Coachs abzufragen.

Aus Sicht des Coachs ist es – neben dem Erwerb und der Aufrechterhaltung seiner Coaching-Kompetenz – besonders wichtig, den Klienten, die Beziehung und das Unternehmen des Klienten zu berücksichtigten. Eine gute Strukturqualität ist dann möglich, wenn der Klient freiwillig das Coaching wünscht und veränderungsbereit ist. Als Prozessberater ist es die Aufgabe des Coachs, dies möglichst vor dem Coaching zu klären und ggf. anderslautende Aufträge (Manipulation, Funktionalisierung nach dem Motto „Bringen Sie uns Herrn X mal wieder in Ordnung.“) klar begründet abzulehnen. Wer nicht begleitet werden will oder mit Zwang unterstützt werden soll, ist nicht coachbar. Anderslautende Aufträge sind deswegen zurückzuweisen, weil weder für den Klienten noch für den Coach ein fruchtbarer (d.h. qualitativ guter) Prozess entstehen dürfte.

Wichtig

Die dargestellten Qualitätskriterien lassen sich nicht alle immer perfekt umsetzen. Vielmehr sind diese Kriterien als Ideale anzusehen, deren Sinn darin besteht, einen falschen Kompromiss von einem tragfähigen Kompromiss zu unterscheiden. Und dies ist in jedem Einzelfall neu abzuschätzen. Beziehungskriterien wie Vertrauen, Akzeptanz und Offenheit können sich z.B. erst während des Prozesses aufbauen. Ist dies jedoch letztlich nicht möglich, hat der professionelle und an Qualität orientierte Coach daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Weitere Qualitätsdimensionen im Coaching

Prozessqualität

Die Prozessqualität bezieht sich auf alle Handlungen, die notwendig erscheinen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Grundfrage: WIE machen wir es?
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Ergebnisqualität

Die Ergebnisqualität bezieht sich auf den Grad des erreichten Erfolges einer Coaching-Maßnahme, z.B. anhand eines Vorher-Nachher-Vergleichs.
Grundfrage: WAS soll dabei herauskommen?
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Quellen und nützliche Links

Literaturangaben

Tatjana Heß & Wolfgang L. Roth (2001). Professionelles Coaching. Eine Expertenbefragung zur Qualitätseinschätzung und -entwicklung. Heidelberg: Asanger. 198 S., 24,54 €, ISBN: 3-89334-365-2

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