Interventionen

Im Allgemeinen werden unter den Interventionen die Vorgehensweisen verstanden, die im Rahmen der Zielerreichung eingesetzt werden. Dazu gehören z.B. Simulationen, in denen mögliche Lösungsstrategien durchgespielt und zusammen bewertet werden. Auch hier ist es oft notwendig, auf Wahrnehmungsblockaden (Betriebsblindheit) hinzuweisen und alternative Sichtweisen (z.B. durch Reframing) zu eröffnen.

Der Coach dominiert aber nicht die Situation als "Macher", sondern beschränkt sich auf Vorschläge und Rückmeldungen (Feedback). Dies kann von dem Klienten angenommen oder ohne Beziehungsgefährdung abgelehnt werden, weil es sich um Angebote des Coachs handelt – und nicht um Belehrungen. Daher ist es ein fließender Übergang von den Zielen über die Lösungen bis zu den konkreten Interventionen, welche vom Gecoachten dann jedoch am deutlichsten als Methode wahrgenommen werden.

In der überwiegenden Zahl der veröffentlichten Coaching-Ansätze nimmt der Dialog im Coaching eine entscheidende Rolle als Interventionsform ein. Daher finden sich in vielen Konzepten u.a. Anleihen aus der Gesprächspsychotherapie (GT), der Transaktionsanalyse (TA) und der Themenzentrierten Interaktion (TZI). Das Gespräch bildet i.d.R. den Rahmen für weitere Maßnahmen, nicht zuletzt, weil der Klient über die zum Einsatz kommenden Vorgehensweisen aufgeklärt werden sollte. Zudem erlaubt die verbale Kommunikation dem Coach einen diagnostischen Zugang zum Klienten, da hier neben inhaltlichen Aspekten auch die Anteile von Selbstoffenbarung, Appell und Beziehung zum Coach deutlich werden.

Insgesamt gibt es eine große Vielzahl von Interventionen und Techniken, die von Anti-Stress-Techniken bis zu Zielvereinbarungsmethoden reichen und im Coaching sinnvoll eingesetzt werden können. Zudem werden in der Praxis verschiedene Methoden nach Ermessen des jeweiligen Coachs kombiniert bzw. weiterentwickelt. Generell ist der Rahmen von Coaching-Maßnahmen so weit gefasst, dass eine Beschränkung auf bestimmte Methoden nicht zwingend notwendig ist. Dennoch sollte auf bestimmte Voraussetzungen beim Einsatz von Interventionen im Coaching geachtet werden.

So schließt die prinzipielle Orientierung des Coachings an der Förderung von Bewusstsein und Verantwortung alle Interventionen aus, die nur dann gelingen können, wenn der Klient nicht über ihre Wirkungsweise aufgeklärt wird. Abgesehen von ethischen Überlegungen schließen die Freiwilligkeit und die Transparenz des Coaching-Prozesses derartige Methoden nur dann nicht aus, wenn sie der Coach mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Klienten (z.B. im Rahmen des psychologischen Vertrages) anwendet.

Da ein seriös agierender Coach auf der Basis eines Konzepts arbeitet, sollten die Interventionen sich ebenfalls an diesem Konzept orientieren und ihm nicht entgegenstehen. Hält der Coach es aus einem bestimmten Grund für angemessen, eine entsprechend andersartige Technik dennoch einzusetzen, so sollte er dies dem Klienten gegenüber glaubhaft erklären und ggf. sein Konzept entsprechend anpassen. Andernfalls ist damit zu rechnen, dass der Klient mit Unverständnis und Verwirrung reagieren kann.

Als Zugeständnis an die Anliegen des Klienten kann es notwendig bzw. wünschenswert sein, dass die Interventionen nach der Dauer und der Zielsetzung des Coachings ausgewählt werden. So nehmen z.B. psychoanalytische Vorgehensweisen oftmals einige Zeit in Anspruch. Zwar schließt dies entsprechende Methoden nicht zwangsläufig aus; solche Vorgehensweisen können jedoch unangemessen sein, wenn aus nicht beeinflussbaren Sachzwängen heraus eine kurzfristige Zielerreichung angestrebt wird. Hier können dann entsprechend "schnelle" Interventionen, z.B. adaptierte Methoden der Kurzzeitpsychotherapie, eingesetzt werden. Wenn der Coach hier aufgrund seiner konzeptionellen bzw. methodischen Ausrichtung nicht willens oder außerstande ist, derartige Techniken einzusetzen, so muss er dies dem Klienten offen darlegen und ggf. so konsequent sein, das Coaching abzulehnen bzw. zu beenden.

Bei dem Einsatz von Vorgehensweisen, die dem Klienten unbekannt sind (z.B. imaginative Verfahren, Rollenspiele u.ä.) sollte der Coach zunächst den Sinn und die Funktionsweise entsprechender Maßnahmen erklären. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Klient mit Unverständnis und Ablehnung reagiert und die (Arbeits-)Beziehung beeinträchtigt wird.

Das Coaching verlangt vom Berater Einfühlungsvermögen, um sich auf den Klienten einzustellen. Daher sollte bereits beim Verhandeln der "Spielregeln" des psychologischen Vertrags dem Coach klar werden, wie weit er gehen kann und welche Interventionen für den individuellen Fall angemessen sind.

Generell sollte die Absicht hinter jeder Interventionsmaßnahme sein, die Wahlmöglichkeiten im Verhalten und Erleben des Klienten zu erweitern. Interventionen, die im Endeffekt darauf zielen, Handlungs-, Denk- oder Wahrnehmungsmöglichkeiten einzuschränken, sollten somit nicht eingesetzt werden.