COACH-Modell

von Christopher Rauen & Andreas Steinhübel

Das COACH-Modell ist ein Strukturmodell des Coachings. Es dient als "roter Faden" auf der Metaebene (für den Gesamtprozess), auf der Mikroebene (für die einzelne Sitzung) sowie für die Ausbildung von Coaches (siehe www.rauen.de/ca/). Unterschiedliche methodische Ansätze können in das COACH-Modell integriert werden.

Mit Hilfe des COACH-Modells ist es möglich, auch in komplexen Beratungssituationen die Orientierung zu behalten und den Coaching-Prozess (mit) zu steuern. Dabei gilt der Grundsatz, dass sowohl der über mehrere Sitzungen verlaufende Coaching-Prozess als auch die einzelne Coaching-Sitzung in die fünf Phasen des COACH-Modells untergliedert werden können.

Phasen des COACH-Modells

Phase 1: Come together – Kennenlern- und Kontaktphase

Die erste Phase im Coaching-Prozess beginnt mit der Kontaktaufnahme. Dazu ist es für den Coach notwendig, in bestimmter Weise akquisitorisch tätig zu sein; der (zu dem Zeitpunkt noch potenzielle) Klient wiederum befindet sich in einer Vorklärungsphase, an deren Ende sich erst entscheidet, ob ein Coaching für ihn sinnvoll und angemessen sein kann. Dieser Entscheidungsprozess ist für das Coaching wichtig und kann bereits als Teil des angestrebten Klärungsprozesses angesehen werden. Auch der Coach legt im Vorgespräch und den darin enthaltenen ersten Interventionen die Grundlage für die Beratungsbeziehung, auf deren Basis Coaching überhaupt erst stattfinden kann.

Phase 2: Orientation – Inhaltliche Orientierung

In der Orientierungsphase lernen sich Coach und Klient gegenseitig näher kennen, die Beziehungsklärung schreitet voran und die Beratungsbeziehung wird im Idealfall zunehmend tragfähiger. Ziel der Orientierungsphase ist es zudem, das weitere Vorgehen zu klären. Dazu werden erste Sichtungen der Anliegen des Klienten vorgenommen. Oftmals zeigt sich hier, dass die zunächst genannten Themen „Oberflächenthemen“ sind. Diese sind außerordentlich wertvoll für den diagnostischen Prozess und sollten daher vom Coach ernst genommen werden. So ist ein Einstieg in die Analyse möglich.

Phase 3: Analysis – Untersuchung des Klientenanliegens und des Klientenumfelds

Bei der genaueren Analyse des Klientenanliegens kann sehr häufig festgestellt werden, dass hinter oder neben dem Oberflächenthema des Klienten weitere Anliegen verborgen sind. Diese weitergehende Analyse wäre nicht möglich, wenn zuvor keine Orientierungsphase stattgefunden hätte. Die Analysephase ist außerordentlich wichtig, weil erst das präzise Herausarbeiten der eigentlichen Kientenanliegen eine effiziente aber vor allem effektive Veränderungsarbeit ermöglicht. Ansonsten besteht die Gefahr, dass – sogar hocheffizient – am falschen Anliegen gearbeitet wird und der Gesamtprozess wenig effektiv ist.

Phase 4: Change – Veränderungsphase

Die Veränderungsphase wird oftmals als die „eigentliche“ Phase im Coaching angesehen, weil hier sichtbare Veränderungen stattfinden. Letztlich baut die Veränderungsphase aber auf den vorherigen Phasen auf. Die Veränderungen haben meist schon vorher begonnen, werden aber hier bewusst thematisiert und forciert. Daher ist die Veränderungsphase zwar bedeutsam, aber als einer von mehreren notwendigen Schritten in der Arbeit mit dem Klienten nicht wichtiger als die anderen Phasen des Coaching-Prozesses.

Phase 5: Harbour – Zielerreichung und Abschluss

Der Abschluss des Coachings ist notwendiger Teil des Gesamtprozesses und ist professionell zu gestalten, um dem Klienten bei der langfristigen Umsetzung seiner gewünschten Entwicklung zu unterstützen. Zudem erhält der Coach hier wichtige Impulse für seine eigene Professionalisierung und kann überprüfen, inwieweit seine Vorgehensweise und Interventionsplanung richtig und angemessen war. Die Abschlussphase ist daher für den Klienten wie auch für den Coach unverzichtbar und sollte – auch im Falle einer vorzeitigen Beendigung des Coachings – stets berücksichtigt werden, um den begonnenen Prozess angemessen zu beenden.

Autor

Christopher Rauen

Jg. 1969, Dipl.-Psych., Senior Coach DBVC, Geschäftsführer, 1. Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Coaching e.V., Lehrbeauftragter an mehreren Universitäten.


Arbeitsschwerpunkte: Einzel-Coaching für Geschäftsführer, Vorstände und Unternehmer. Spezialisierung als Sparringspartner für Entscheider in den Bereichen Führung, Strategie, Krise und Entwicklung. Coaching-Ausbildung für Berater, Trainer und Führungskräfte.
Branchen: IT, Medien, Consulting, Finanz, Automotive, Chemie, Telekommunikation, Rechtsanwaltskanzleien, KMUs
Spezielle Fähigkeiten: Analytisches Auffassungsvermögen, empatisch, humorvoll, provokativ, zukunftsorientiert.
Kernthemen: Entscheiden, Entwicklung, Change, Strategie, Führung, Krisenmanagement.
E-Mail: infono spam@rauen.de


Christopher Rauen ist Mitglied in der RAUEN Coach-Datenbank.

Autor

Andreas Steinhübel

Jg. 1970, Dipl.-Psych., Senior Coach DBVC, Systemischer Organisationsberater, Coaching-Master nach König/Volmer (WIBK), lizensiert für das Persönlichkeitsmodell Golden Profiler of Personality, Lehrbeauftragter der Universität Osnabrück und der Privatuniversität Witten/Herdecke.


Arbeitsschwerpunkte: Einzel-Coaching von Führungskräften ab der Ebene Abteilungsleitung, integrative Coaching-Ausbildung.
Branchen: Automobil, Dienstleistung, Universitäten.
Spezielle Fähigkeiten: Pragmatisch, humorvoll, anregend. Gibt Impulse, die weiterbringen, agiert als fokussierter Beobachter und Zuhörer.
Kernthemen: Neupositionierung, Umgang mit Krisen und Wandel sowie Strategieprozesse.
E-Mail: andreas.steinhuebelno spam@rauen.de


Andreas Steinhübel ist Mitglied in der RAUEN Coach-Datenbank.