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Das Vorgespräch im Coaching –
Was Klienten und Coachs beachten sollten

von Christopher Rauen

Der Verlauf des Erstgesprächs hat eine Schlüsselfunktion für den gesamten Coaching-Prozess, da im Erstkontakt die Grundlagen der weiteren Beziehung gelegt werden. Gleichzeitig sollte das Vorgespräch dazu genutzt werden, gemeinsam die Möglichkeiten und Grenzen eines Coachings und die gegenseitigen Erwartungen zu klären.

Der Klient hat mit dem Vorgespräch die Möglichkeit, sich – i.d.R. unverbindlich – von dem Coach einen Eindruck zu bilden. Dabei sind aus der Klientenperspektive meist folgende Fragen von besonderer Bedeutung:

- Ist der Coach bereit und in der Lage, seine Vorgehensweise zu erläutern?
- Kann der Coach beispielhafte Prozesse schildern?
- Welche Methoden setzt der Coach ein?
- Welche Wirkzusammenhänge strebt der Coach an? Wie erreicht/begünstigt er Veränderung?
- Wie lange kann der Coaching-Prozess andauern?
- Welche Kosten und sonstiger Aufwand sind damit verbunden?
- Über welche Branchenerfahrungen verfügt der Coach?
- Soll der Coach bestimmte Branchenerfahrungen haben oder ist sogar ausdrücklich ein branchenfremder Coach gewünscht, um neue Perspektiven zu erhalten?
- Nimmt sich der Coach genügend Zeit, die Klientenerwartungen anzuhören?
- Kann der Coach menschlich und fachlich überzeugen?
- Welchen Gesamteindruck hinterlässt der Coach?

Zudem kann sich der Klient auch an Ausschlusskriterien orientieren, d.h. an Verhaltensweisen des Coachs, die kein Coaching durch ihn nahe legen. Solche eher bedenklichen Verhaltensweisen sind z.B.:

- Der "Coach" fordert schon im Vorgespräch auf, einen Beratungsvertrag zu unterschreiben. Unseriöse und unprofessionelle Berater räumen teilweise keine Bedenkzeit ein und ignorieren damit, dass diese ein Teil eines notwendigen Vergleichs- und Klärungsprozesses ist.

- Der "Coach" verhält sich überheblich. Personen, die sich primär mit dem eigenen Ego beschäftigen, sollte misstraut werden, denn so wird kein Austausch "auf gleicher Augenhöhe" möglich sein können. Auch ein fundiertes Feedback wird so kaum möglich sein.

- Statt konkreter Auskünfte bietet der "Coach" nur pseudophilosophische und esoterische "Weisheiten" ohne Bezug zu dem eigenen Anliegen. Ein Ansprechen dieses Umstandes wird als Verblendung ausgelegt - was angeblich um so mehr deutlich macht, wie nötig ein Coaching ist. Derartige "Coachs" sollten grundsätzlich gemieden werden.

- Der "Coach" meint, jedes Anliegen bearbeiten zu können, egal um welches Thema es geht. Vor derartigen Möchtergern-Alleskönnern kann nur gewarnt werden, zumal echte Experten meistens spezialisiert sind. Ein Coach benötigt ein realistisches Selbstbild (sonst wird er dem Klienten auch kein realistisches Feedback geben können) und keine Größenphantasien, welche eher auf charakterliche Defizite statt auf Könnertum schließen lassen.

Insgesamt sollte der Coach kein Ja-Sager sein und seine Rolle verlangt es zudem, unbequem sein zu dürfen - jedoch hat ein professioneller Coach immer eine fördernde Einstellung zu seinem Klienten. Scharlatanen hingegen ist dies egal, sie legen primär Wert auf finanzielle Zuwendungen und die Betonung ihrer postulierten "Großartigkeit".


Neben der Beachtung dieser Punkte sollte der Klient idealerweise bereits vor einem Vorgespräch für sich geklärt haben, ob er seinerseits die Voraussetzungen mitbringt, die für ein Coaching notwendig sind; ein guter Coach wird versuchen dies im Vorgespräch herauszufinden. Zentrale Fragestellungen für den Coach sind daher im Vorgespräch, ob überhaupt die Grundlagen für eine Coaching-Beziehung gegeben sind (u.a. Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, gegenseitige Akzeptanz, Veränderungsbereitschaft).

Erfahrungsgemäß kann eine tragfähige Vertrauensbasis dann zustande kommen, wenn folgende Punkte im Erstgespräch thematisiert werden:

- Die Erwartungen des Klienten müssen mit den realen Möglichkeiten des Coach abgeklärt werden.

- Die Werte und Werthaltungen des Klienten sollten mit den Werten und Werthaltungen des Coach grundsätzlich vereinbar sein.

- Der Coach sollte falsche Vorstellungen vom Coaching aufdecken, vor allem Erwartungen, die in ihm lediglich einen "Macher" sehen (was den Klienten zum "Gemachten" degradieren kann). Insbesondere sollte der Coach darauf hinweisen, dass er als Prozessberater und Feedbackgeber dem Gecoachten keine Aufgaben oder Verantwortung abnimmt.

- Der Coach sollte den individuellen und konzeptionellen Charakter von Coaching betonen: Jeder Coaching-Prozess ist einmalig und anders und muss jedes Mal neu gestaltet werden. Dies bedeutet aber auch, den Prozess eben nicht genau vorhersagen zu können. Somit kann auch kein Erfolgsversprechen für ein vorgedachtes Ziel gegeben werden.

- Auch rechtliche Fragen sind zu klären, z.B. dass ggf. zwischen Klient und Coach ein Dienstleistungsvertrag und kein Werkvertrag abgeschlossen wird, und welche Bedingungen ein möglicher Vertrag bzgl. Rechten und Pflichten, Treffpunkte, Honorar, Dauer und Anzahl der Termine, Ausfallregelungen usw. enthält.

- Spricht nichts gegen ein Coaching, so kann am Ende des Erstgesprächs vereinbart werden, bis wann der Klient für sich eine Entscheidung für oder gegen den Coach treffen möchte. Wenn keine gemeinsame Basis gefunden werden konnte, endet der Coaching-Prozess bereits nach dem Erstgespräch.

Befindet sich der Klient bereits während des Vorgesprächs in einem Zustand emotionaler Belastung (z.B. durch die krisenhafte Zuspitzung eines Problems), so kann es nötig sein, dass der Coach bereits im Erstgespräch Entlastungen schafft. Bei solch einem "Cooling-down" kann der Coach eine erste Unterstützung geben und dem Klienten beim adäquaten Umgang mit seinen Emotionen helfen. Ggf. wird eine erste Problemsicht vorgenommen, diffuse Problemsituationen werden analysiert, konkrete Problemfelder werden erstmals abgegrenzt.
Der Coach sollte daher die nötige Flexibilität besitzen, auch bereits beim Erstkontakt über ein gegenseitiges Kennen lernen hinaus aktiv zu werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die grundsätzlich zu klärenden Fragen dann einfach übergangen werden dürfen.

Ein Coaching-Prozess bedeutet auch eine bewusst herbeigeführte Veränderung, was ethische Fragen aufwirft. Prinzipiell wird dieses Problem so gehandhabt, dass der Klient auf Grund seines Anliegens dem Coach das Recht zubilligt, ihn bis zu einem bestimmten Grad zu verändern. Wie weit der Klient verändert werden darf oder es will, wie genau der Klient darüber aufgeklärt werden muss, sollte genau geklärt werden. Die möglichen Folgen eines derart durch das Coaching initiierten Entwicklungs- bzw. Veränderungsprozesses müssen ebenfalls offen thematisiert werden. Im Rahmen eines seriösen Coaching ist es daher besonders wichtig, entsprechende Fragen im Rahmen des Erstgespräches mit dem Klienten zu besprechen und ggf. auch in der Abschluss-Sitzung zu rekapitulieren.

FAZIT: Das Erstgespräch dient dem gegenseitigen Kennen lernen und dem Abschätzen, ob eine gemeinsame Basis zur Zusammenarbeit möglich ist. Die am Coaching interessierte Person benennt ihre Erwartungen, der Coach schildert Möglichkeiten und Grenzen seines Beratungsansatzes. Ggf. kann bereits hier eine erste Problemsicht vorgenommen eingegrenzt werden. Generell wird in dieser Phase jedoch primär geklärt, ob die Voraussetzungen für eine Coaching-Beziehung gegeben sind.


Quelle:
Das Vorgespräch im Coaching. Coaching-Newsletter, Jg.4, Mai 2004. http://www.coaching-newsletter.de/archiv/2004/2004_05.htm
 
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